Mein Weg zur Entspannung

 

Bereits in den vergangenen Jahren habe ich mich immer einmal wieder

mit dem Thema Entspannung beschäftigt. Leider immer nur kurzzeitig.

Wie viele andere eben auch, habe ich mir immer eingeredet, ich hätte

dafür keine Zeit, es passt gerade nicht, wann sollte ich das denn nun auch

noch in mein Leben integrieren. Heute weiß ich, dass das auch anders

geht!

2013 wurde ich krank. Ich, die eigentlich nie ernsthaft krank wurde.

Anfangs war auch nicht wirklich abzusehen, dass es sich so lange

hinziehen und sich das Ganze chronifizieren würde. Somit nahm ich die

erste Zeit noch recht gelassen. Als sich dann nach Wochen die

Symptomatik nicht besserte, sondern eher verschlechterte, wussten die

Ärzte keinen Rat. Meine Schmerzen wurden stärker, diverse

Untersuchungen, Facharzttermine etc. standen an. Nachdem ich nun also die erste Zeit des

„zu Hause“ seins ein bisschen genossen habe – mein beruflicher Alltag

fordert mich schon sehr - wurde ich nun doch langsam unruhig. Die

Aussagen meiner Ärzte „ Sie haben da etwas ganz Merkwürdiges“ „wir

wissen nicht, was es ist“ „ rechnen Sie schon einmal damit, nicht wieder

arbeiten gehen zu können“ etc. taten dann ihr übriges. Ich merkte, wie

meine Stimmung immer schlechter wurde, ich wurde antriebslos, ich

machte aus jeder Mücke einen Elefanten, war total aufbrausend, fing

teilweise dann wieder einfach grundlos an zu weinen, hatte immer wieder

das Gefühl, den Mut zu verlieren, und das gerade ICH. Ich war total

erschrocken, denn aufgeben passte einfach nicht zu mir. Diese Gedanken,

den Mut zu verlieren machten mir Angst. Lösungen mussten her.

Und da erinnerte ich mich an eine CD die ich einmal von meiner

Hausärztin bekommen hatte, vor vielen vielen Jahren, aber ich hatte sie

noch.

„PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG NACH JACOBSON“

 

Und ab dem Moment wurde mein Leben wieder einfacher.

 

Ich nahm mir vor, ab diesem Zeitpunkt tägliche Entspannungsübungen zu

machen. Was hatte ich zu verlieren? Und Zeit hatte ich ja genug. Ich war

mittlerweile seit einigen Monaten krank geschrieben. Mein Ziel war es,

wieder arbeiten zu gehen, meine Schmerzsymptomatik zu lindern,

natürlich auch, eine Diagnose zu bekommen, aber zumindest mit

niederschmetternden Aussagen von Ärzten besser umgehen zu können.

Die ersten Tage waren natürlich nicht einfach. Ich war

innerlich sehr aufgewühlt, konnte mich nur sehr schlecht konzentrieren. Aber ich blieb am Ball. Jeden Tag,

wenn meine Kinder in der Schule waren, nahm ich mir meine

Gymnastikmatte, schaltete das Telefon aus, macht es mir auf dem

Fußboden bequem und übte. Meine

Konzentrationsfähigkeit betrug in den ersten Tagen gefühlt nur sehr

sehr wenige Sekunden. Meine Gedanken fingen an zu kreisen, ich schaffte

es nicht, sie auszuschalten. So viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Ich empfand

zunächst nicht wirklich Entspannung. Ich ärgerte mich über mich

selbst, dass ich es nicht schaffte, mich zu konzentrieren. Ich stöberte

im Internet, und fand heraus, dass das ganz normal sein sollte. Das

spornte mich also an, weiter zu machen.

 

Nach wenigen Tagen bemerkte ich, dass ich mich ein wenig besser

konzentrieren konnte. Es gelang mir, kurzzeitig meine Gedanken auszuschalten. Und es gelang mir

von Mal zu Mal besser. Und ab dem Zeitpunkt merkte ich auch, dass ich

mich selbst immer mehr und mehr entspannte. Ich fühlte mich im Anschluß an die Einheit gut, mein

Körper fühlte sich weich und leicht an, und bereits nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, dass meine Schmerzen für eine Weile im Anschluß

an die Entspannung geringer waren. Ich dachte zuerst, es wäre

Einbildung, aber im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es das

eben nicht war.

 

Ich bemerkte weitere positive Effekte: ich war nicht mehr so

antriebslos, hatte wieder mehr Mut, wollte mich nicht unterkriegen

lassen – wusste aber auch, dass ICH die Zügel in der Hand hatte und

selbst dafür etwas tun musste.

Uns so integrierte ich die Entspannung in meinen Alltag. Ich übte so gut

wie jeden Tag, bemerkte ganz schnell, dass ich mich von Tag zu Tag

besser konzentrieren konnte. Ich schaffte es, meine Gedanken einfach

weiter zu schieben und mich ganz auf mich selbst konzentrieren zu

können. Ich konnte immer besser in meinen Körper hineinspüren, mich voll

und ganz auf meinen Atem konzentrieren. Schnell habe ich dann die

Progressive Muskelentspannung mit 17 Muskelgruppen auf 10

Muskelgruppen reduziert. Das Hinspüren in die jeweilige Muskelgruppe

war schnell kein Problem mehr für mich, das Anspannen und Loslassen und

dann die Entspannung fühlen wurde zu einem großartigen Gefühl.

Teilweise spürte ich ein leichtes Kribbeln, meist jedoch eine leichte und

wohlige Wärme in den entsprechenden Muskelgruppen. Ich konnte mich voll und ganz auf die Entspannung

konzentrieren. Gedanken störten mich kaum noch, und wenn, dann

schickte ich sie einfach weiter. Natürlich war nicht jeder Tag gleich –

es gab zwischendurch auch immer mal wieder Tage, an denen es mir

schwer fiel, mich zu konzentrieren, oder auch an denen ich die

Entspannung nicht so fühlen konnte.

 

Und dann fing ich an, mich zusätzlich auch mit anderen Entspannungstechniken zu

beschäftigen. Achtsamkeitstraining, Meditation, Autogenes Training waren zu dem Zeitpunkt völlig neu für mich

– und auch hier fiel es mir zunächst schwer, die Achtsamkeit in mein

Leben zu integrieren. Am besten funktionierte es mit der

Atemachtsamkeit. Mehrfach täglich baute ich diese ab da an in den

Tagesablauf ein.

 

Und das Tolle an der ganzen Sache: mir ging es von Tag zu Tag besser.

Ich konnte meine Schmerzsymptomatik immer besser ertragen, ich nahm

immer weniger Schmerzmedikamente, war wieder fröhlicher und besser

gelaunt. Von Antriebslosigkeit war nichts mehr zu merken. Ich schaffte

es, auch mit den Aussagen der ratlosen Ärzte besser umgehen zu können.

Das alles war dann auch der Grund dafür, dass ich mich entschloss, die

Entspannung dauerhaft in mein Leben zu integrieren und die Ausbildung

zur Entspannungstrainerin zu beginnen.

 

Entgegen den Aussagen meiner Ärzte gehe ich inzwischen wieder ganz normal arbeiten. Ihrer Meinung nach sollte ich Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen, was ich NICHT gemacht habe und darüber unendlich froh bin. Ich bin nach wie vor nicht gesund, aber ich habe gelernt, mit meinen Symptomen und Einschränkungen zu leben und diese für mich erträglich werden zu lassen.

 

Und in der

Zwischenzeit weiß ich selbst am Besten, dass solche Floskeln „ wann soll

ich das denn noch machen“ einfach nur Ausreden sind, denn ein kleines

bisschen Zeit, wenn auch nur mal 5-10 Minuten hat man immer übrig, man

muss sich das nur bewusst machen und auch wollen.

 

Wunderbar lassen sich kurze Einheiten der progressiven

Muskelentspannung und/oder kurze Atemübungen auch in den Arbeitsalltag

integrieren und bewirken da oft schon kleine Wunder.

 

 

Und ich bin der festen Überzeugung, dass ich ohne Entspannungstraining

heute nicht da sein würde, wo ich bin. Und darum ist es mir auch ein ganz

besonderes Anliegen, das weitergeben zu dürfen.